Zumeldung zu Pressemitteilung des MLR 137/2014 im Rahmen der Landespressekonferenz vom 14.07.2014

Bundeskartellamt bleibt hart: Forstverwaltung steht vor der endgültigen Zerschlagung des Einheitsforstamtes 

AG Wald: Nachhaltige Waldwirtschaft durch neoliberalistische Haltung der Wettbewerbshüter in Gefahr

Das aktuelle Schreiben des Bundeskartellamtes zur Ablehnung des sogenannten Subsidiärmodells, das den Landkreisen die Zuständigkeit für den Holzverkauf aus dem Staatswald übertragen hätte, lässt nun nur noch zwei Varianten zur Neuorganisation des Holzverkaufs übrig. Beiden gemeinsam ist, dass die Bewirtschaftung des Staatswaldes nicht mehr in gemeinsamen Revieren aller Waldbesitzer erfolgen darf. Damit ist zwangsläufig die Gründung einer eigenen Verwaltung oder eines eigenen Betriebes für den Staatswald notwendig.

Wie die Gemeinden und Privatwaldbesitzer in Zukunft ihre Waldbewirtschaftung organisieren ist offen, denn die Forstorganisation im Lande muss nun völlig neu aufgestellt werden. Das Bundeskartellamt besteht außerdem darauf, dass die Leitung eines Forstamtes und die Aufstellung der 10-jährigen Waldbewirtschaftungspläne in den Wäldern der Gemeinden und des Landes künftig keine reine staatliche Aufgabe mehr sein, sondern auch von privaten Firmen übernommen werden dürfen.

Gerade diese Punkte sieht die AGWald mit Sorge, denn sie haben nichts mit der Herstellung einer kartellgerechten Holzvermarktung zu tun, sondern greifen in die forstlichen Produktionsprozesse ein. „Das Bundeskartellamt überschreitet seinen Ermessensspielraum deutlich. Seine Forderungen führen nicht nur zu einer Zerschlagung der Forstverwaltung, sondern stellen auch eine erhebliche Gefahr für die Aufrechterhaltung einer umfassend nachhaltigen Waldwirtschaft in Baden-Württemberg dar“, bewertet der Vorsitzende der AG Wald, Dietmar Hellmann die Vorgaben der Wettbewerbshüter. „Selbst die Sägewerke, deren Interessensverbände die Klage gegen das Land Baden-Württemberg vor das Bundeskartellamt gebracht haben, fürchten durch die Zerschlagung der bewährten Forststrukturen wirtschaftliche Nachteile für ihr Geschäft“, so Hellmann weiter.

Dass darüber hinaus auch die Waldbewirtschaftung in Baden-Württemberg für die Steuerzahler teurer wird, liegt an den ineffizienten Strukturen, die nun neu zu errichten sein werden. Die Wälder des Landes, der Gemeinden und der privaten Eigentümer liegen eng verzahnt. Bislang kann jeweils ein Revierförster in seinem Revier für alle Eigentümer gemeinsam arbeiten. Dies wird künftig nicht mehr möglich sein. „Billiger oder effizienter, wie einzelne verfah-rensbeteiligte Verbände nun glauben machen wollen, kann die Waldbewirtschaftung nur werden, wenn die Standards zur Sicherung einer umfassenden Nachhaltigkeit abgesenkt werden. Genau an dieser Stelle wer-den aber die forstlichen Verbände und die forstlichen Berufsvertretungen wachsam sein und die nun zwingend folgenden Gesetzesänderungen kritisch begleiten“, so der Vorsitzende der AGWald weiter.

Die AGWald wird darauf achten, dass die Zielsetzung des vermutlich zur Gründung kommenden Staatsforstbetriebes alle Waldfunktionen gleichermaßen abdeckt. „Dank der umsichtigen Arbeit vieler Förstergenerationen sind unsere Wälder keine reinen Produktionsforste sonder auch wertvolle Erholungs- und Rückzugsräume für bedrohte Arten“ , so der Vorsitzende der AGWald. Die AGWald fordert, dass die Bevölkerung sich auch in Zukunft im selben Maß in den Wäldern erholen kann und dass der Naturschutz im Wald nicht unter die Räder einer kartellrechtskonformen Holzvermarktung kommt. Die AGWald sieht hier auch eine Aufgabe der Medien, diesen Prozess kritisch zu begleiten.

Neue Waldentwicklungstypen 

Waldbautrainer für die Einführung der neuen Waldentwicklungstypen

Die  neuen Waldentwicklungstypen von ForstBW stehen für eine deutliche Änderung der waldbaulichen Zielrichtung. Strukturreiche und dauerhaft auf einer Fläche wachsende Wälder werden als gleichberechtigtes Leitbild neben die sogenannten Altersklassenwälder gestellt. Strukturreiche Wälder zu erziehen und zu bewirtschaften ist aber anspruchsvoll und zeitintensiv. Das Land Baden-Württemberg plant, die Einführung der Waldentwicklungstypen durch Waldbautrainer zu begleiten und den Wissenstransfer in die Wälder hinein zu unterstützen.

Die AG Wald kommentiert dies in einem offenen Brief an Minister Bonde.

Weiterlesen

Projekt-News

Wald 4.0 - reale Natur verlinkt mit virtuellen Welten

Alle wesentlichen Informationen zum Projekt findet ihr auf der Projekt-Webseite: www.wald-4-0.de. Zur Zeit wird gerade eifrig an "Der Meister"-Tour gearbeitet, damit diese bis November 2018 fertiggestellt werden kann. Über eine Unterstützung eurerseits würden wir uns sehr freuen. 

Jetzt Spenden für das Projekt Wald 4.0!

Spendenaufruf

 
Handzettel

Der untenstehende Flyer ist auch zum Downloaden erhältlich: Handzettel Wald 4.0.pdf [2,34 MB]

 

Projektbeschreibung

Ziel des Projekts Wald 4.0 – Wald 4.0 - reale Natur verlinkt mit virtuellen Welten ist die Umsetzung des Schwerpunktes "Kommunikation und Bildung –für einen höheren Stellenwert des Naturschutzes" an Multiplikatoren und Endverbraucher mit Hilfe von zeitgemäßen, interaktiven Medien. Hierzu wird eine Android-App entwickelt mit digitale Thementouren um Jugendlichen und Erwachsenen lokale Arten- und Naturschutzprojekte im Wald zu vermitteln. Der Naturschutzeffekt wird durch kombinierbare Angebote der Kooperationspartner (Waldpädagogik Karlsruhe, Naturschutzzentrum Rappenwört, BUND etc.) maßgeblich unterstützt. 

Bei der Entwicklung der Inhalte werden unterschiedliche Akteure aus den Bereichen Wald und Naturschutz (Umwelt und Arbeitsschutz Stadt KA, Umweltpädagogik KA, Städtisches Forstamt KA etc.), fachliche Experten sowie Personen der Zielgruppen einbezogen. In Workshops werden Ideen und Beiträge der Projekt- und Kooperationspartner für die Touren gesammelt und kritisch diskutiert. Die Tour für Jugendliche wurde in Zusammenarbeit mit der TheoPrax-Gruppe des Goethe-Gymnasiums Karlsruhe entwickelt. Im Rahmen von Entwicklungsteamsitzungen wird dann die Feinkonzipierung der Waldnaturschutz- Touren vorgenommen, die auf technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit geprüft, realisiert und durch Testläufe optimiert wird.

Die Bekanntmachung der Waldnaturschutz-Touren erfolgt mit Hilfe der Kooperationpartner und Bildungseinrichtungen (TheoPrax des Goethe-Gymnasium Karlsruhe, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Pädagogische Hochschule KA u.v.a.). Außerdem wird es Informationskampagnen (Video Clip, Informationsstände, Schilder, Pressearbeit & Webseiten etc.) geben. Die Waldnaturschutz-Touren werden für den Endverbraucher kostenfrei über die entsprechenden Internetmarktplätze zur Verfügung gestellt. 

Jubiläumsjahr "300 Jahre forstliche Nachhaltigkeit"

Wir können alles - nur nicht Nachhaltigkeit!

Die AG Wald sieht die umfassende Nachhaltigkeit im Wald in Baden-Württemberg akut gefährdet.

Das Jubiläumsjahr „300 Jahre forstliche Nachhaltigkeit“ 2013 ist zuende. Mit vielen Veranstaltungen wurde die Praxis der nachhaltigen Waldwirtschaft der Försterinnen und Förster in den letzten 300 Jahren dargestellt. Der Slogan des Deutschen Forstwirtschaftsrates „Sie finden Nachhaltigkeit modern? Wir auch - seit 300 Jahren“ umschreibt treffend das Selbstverständnis von Generationen von Forstleuten. Doch wie sieht die Realität aus?

Dietmar Hellmann, Vorsitzender der AG Wald sieht zu viele ungeklärte Zielkonflikte, die auf den Wald und die darin Beschäftigten einwirken. „Wald und Forstleute stehen in einer Zerreißprobe. Klare Priorisierungen sich widersprechender Teilziele sind unabdingbar. Klimastabilisierung der Wälder, FSC-Zertifizierung, Artenschutzprogramme, Nutzungsverzicht in der Buchenwirtschaft, Flächenstilllegungen und Waldrodungen für Windkraftanlagen sind jeweils für sich genommen wichtige Teilziele, die aber in Konkurrenz zueinander stehen und mit großen Ertragseinbußen aus der Waldwirtschaft einhergehen“, so der Vorsitzende. Gleichzeitig erhöht die Landesregierung zur Sanierung des Landeshaushaltes die Gewinnentnahme aus dem Forsthaushalt von zunächst 20 auf nunmehr über 30 Mio. € pro Jahr. „Die Landesregierung greift fahrlässig in die fragile Balance von Nutzungs-, Erholungs- und Naturschutzfunktion des Waldes ein und wird damit den gesellschaftlichen Ansprüchen an ein umfassend nachhaltige Waldwirtschaft nicht gerecht“, so Hellmann weiter. Die Baden-Württembergische Landesregierung ist an dieser Stelle ebenso gefordert, wie bei der im Koalitionsvertrag versprochenen und von beiden Regierungsfraktionen immer wieder bekräftigten Stärkung der Forstwirtschaft, von der bislang außer den neuen Aufgaben in der Forstverwaltung nichts angekommen ist. Nachhaltigkeit ohne ausreichendes und qualifiziertes Personal geht nicht! Der aktuell praktizierte Stellenabbau steht hierzu im krassen Widerspruch. Daher fordert die AG Wald die Landesregierung auf, sich klar zu den einzelnen Fragestellungen und Aufgaben der Waldwirtschaft zu positionieren und die erforderlichen 150 zusätzlichen Forstleute im Land einzustellen, damit der Nachhaltigkeitsbegriff nicht auch im baden-württembergischen Wald zur Floskel verkommt.

Rücksichtnahme auf Waldbesucher

2-Meter Radfahrregelung im Wald muss bleiben!

Karlsruhe. Die AG Wald Baden-Württemberg hält die derzeit gültige Radfahrregelung im Wald für richtig und angemessen und setzt sich damit nachdrücklich für die Beibehaltung dieser Regelung ein. „Die vorgeschriebene Mindestbreite von 2 Metern für Radfahren auf Waldwegen ist schon allein aus Rücksichtnahme auf andere Waldbesucher wie Jogger oder Wanderer und Familien mit Kindern unabdingbar. Es muss jederzeit genug Raum bleiben, um Ausweichmöglichkeiten vorzufinden“, meint Ulrich Kienzler, Vorsitzender der AG Wald Baden-Württemberg. Eine Freigabe des Radfahrens auf Wege unter 2 Meter breite würde weiter zu einer Beunruhigung unzähliger sensibler Waldbereiche führen. „Wenn wir als moderne Gesellschaft auf eine rücksichtsvolle und nachhaltige Naturnutzung setzen, müssen auch gewisse Einschränkungen hingenommen werden“, so der AG Wald Vorsitzende weiter. Auf zahlreichen Waldwegen haben die Radfahrer wie viele andere Waldbesucher die Möglichkeit, rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr Natur zu genießen, Sport zu treiben und die Freizeit zu gestalten. Die Rücksichtnahme auf die Interessen der jeweils anderen Nutzergruppe und auf den Wald ist dabei grundlegende Voraussetzung. Für extreme Sport- und Freizeitaktivitäten wie z.B. Downhill-Fahren muss dann auf speziell eingerichtete Strecken ausgewichen werden.