• Aktuelles
AG Wald Positionspapier

Wald 2011 braucht eine neue Politik

Wenn der 40 prozentige forstliche Stellenabbau die Wertschätzung für den Wald widerspiegelt, dann hat der Wald aufgehört, für die Politik zu existieren.
Die AG Wald hofft, dass die neue Grün-Rote Koalition den Wald im Laufe der Koalitionsverhandlungen für die baden-württembergische Landesregierung wiederentdeckt. Dafür gibt es viele schlagende Gründe, die die AG Wald im Positionspapier erläutert.
Die AG Wald steht für fachliche und politische Diskussionen stets zu Verfügung.

Positionspapier: Wald 2011 in Baden-Württemberg

 

Land startet "Internationales Jahr der Wälder" offiziell / "Tag des Waldes" am 21. März

Personeller Kahlschlag im "Internationalen Jahr der Wälder" 

NABU und AG Wald kritisieren weiteren Stellenabbau im Forstsektor

Stuttgart - Scharfe Kritik an den Sparplänen der Landesregierung üben der NABU und die AG Wald Baden-Württemberg. "Nachdem das Land seit 1993 bereits 40 Prozent des Forst-Personals weggespart hat, will die Regierung jetzt schon wieder die Axt am Personalstamm ansetzen und weitere Stellen streichen. Das ist Kahlschlag im Internationalen Jahr der Wälder. Die Forstverwaltung blutet aus. Während auf der einen Seite neue Aufgaben hinzukommen und wir in diesem Jahr unseren engen Bezug zum Wald feiern, setzt das Land bei den Menschen, die sie umsetzen sollen, immer wieder die Säge an. Das hat mit Nachhaltigkeit nichts mehr zu tun und verhöhnt das Motto 'Entdecken Sie das Waldkulturerbe'", kritisieren der NABU-Landesgeschäftsführer und gelernte Förster Uwe Prietzel sowie Ulrich Burr von der AG Wald.

"Noch lautet der Slogan des neuen Landesbetriebs ForstBW ‚Wir schaffen Zukunft’. Wenn die Landesregierung weiterhin so wütet, muss er bald in ‚Wir schaffen’s in Zukunft nicht mehr’ geändert werden“ warnen Prietzel und Burr. „Auf 40 Prozent der Landesfläche wächst Wald, den wir bewirtschaften und weiterentwickeln wollen – sei es zur Holzernte, als Erholungsraum für Menschen oder als Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Dass die Regierung gerade im ‚Internationalen Jahr des Waldes’ den Wald weiter schwächen will, ist ein denkbar schlechtes Zeichen. Dabei muss allen klar sein: im Wald passen Klimawandel und Stellenabbau nicht zusammen. Wir brauchen eine Verjüngung des Forstpersonals und keinen weiteren Abbau!“ Durch die wiederholten Umstrukturierungen und Stellenstreichungen im Forstbereich leiden Mensch und Natur: Das noch verbleibende Personal wird immer weiter überlastet und da auslaufende Stellen nicht neu besetzt werden, fehlt der Nachwuchs: Der Personalstamm vergreist, neues Wissen jüngerer Forstleute bleibt außen vor. Zudem können zahlreiche Aufgaben nicht mehr ausreichend wahrgenommen werden können. Auf der Strecke bleiben vielerorts Naturschutz, Naturpädagogik, der Umbau der Wälder zu klimafesten Beständen, die Beratung der Privatwaldbesitzer, die Umsetzung von Natura 2000, die Mitarbeit bei der Erstellung von Regional- und Flächennutzungsplänen und vieles mehr.

Beide Verbände zeigen Verständnis dafür, dass der Haushalt konsolidiert werden muss und Einsparungen nötig sind. So sollen bis 2016 knapp 1.500 Stellen des Landes wegfallen. Wo diese Stellen gestrichen werden, hat der Ministerrat nicht explizit festgelegt, dafür aber klar gesagt, wo nicht: Bildung, Polizei, Justiz und Finanzen bleiben für das Sparpaket tabu. Das Fatale daran: Auf diese Bereiche entfallen rund 90 Prozent der Stellen. Im Klartext: Bei den restlichen 10 Prozent – etwa im Forst – kommt es dafür umso dicker.

Hintergrund und Zahlen

Der Ministerrat hat das Sparpaket der Landesregierung in Höhe von 500 Millionen Euro am 02.02.2011 beschlossen. Danach sind bis 2016 insgesamt 1.480 Stellen einzusparen: Rund 700 bei den Regierungspräsidien, 135 im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum. In beiden Behörden wird die auch Forstverwaltung betroffen sein. Das Durchschnittsalter in der Forstverwaltung beträgt mittlerweile 50 Jahre, Tendenz steigend. Rund 1.300 Forstbeamte im Land, davon rund 480 als Landesbedienstete im gehobenen und höheren Dienst, bewirtschaften den Staatswald. Zudem betreut ForstBW rund 500.000 Hektar Privatwald. Als flächendeckender Dienstleister sorgt ForstBW jährlich für die Bereitstellung von sechs Millionen Festmeter Rundholz für die Rohstoffversorgung. Die Forst- und Holzwirtschaft ist mit einem Jahresumsatz von 31 Milliarden Euro damit ein zentraler Wirtschaftsfaktor im Land. So erwirtschaftet ForstBW über 20 Millionen Euro Gewinn für den Landeshaushalt. 200.000 Arbeitsplätze hängen am Wald und seinen Rohstoffen. Allein 385.000 Hektar Natura-2000-Flächen und 59.300 Hektar Waldbiotope werden von der Forstverwaltung betreut. Mehr als 25 Prozent der Waldfläche wird besonders für die Erholung bereitgehalten.

Die AG Wald ist ein Zusammenschluss aus den vier forstlichen Verbänden Bund Deutscher Forstleute, Baden-Württembergischer Forstverein, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und Verein für Forstliche Standortskunde. Der Dachverband setzt sich dafür ein, den qualitativ hochwertigen Wald in Baden-Württemberg zu erhalten.

Rückfragen an - Uwe Prietzel, NABU-Landesgeschäftsführer, 0711 / 966 72-20oder 0172/ 71 883 96 -

Philipp Riedel, Geschäftsführer der AG Wald, 0761 / 89647-27 oder 0151 / 11 02 11 22

Treffen AG Wald und Forstkammer

AG Wald und die Forstkammer Baden-Württemberg kooperieren

Im Januar 2011 trafen sich Vertreter der AG Wald mit dem erweiterten Vorstand der Forstkammer Baden-Württemberg, um – im Nachgang zum 5. Waldgipfel und dem Tag der Waldwirtschaft - über eine verstärkte Zusammenarbeit zur Stärkung der Interessensvertretung des Waldes und der Waldwirtschaft zu beratschlagen.

In einem offenen und konstruktiven Gespräch war man sich einig, zukünftig gemeinsame Themen in der Öffentlichkeit miteinander zu vertreten, um so eine stärkere Bündelung forstlicher Interessen und forstlicher Botschaften zu erzielen. Kernbotschaft hierbei: „Es ist grundsätzlich gut, dass wir unsere Wälder bewirtschaften und es ist insgesamt gut, wie wir sie bewirtschaften“. Der „Tag der Waldwirtschaft“, wie er am 01.10.2010 auf der Landesgartenschau in Villingen-Schwenningen erstmals gemeinsam durchgeführt wurde, soll zukünftig als gemeinsame Marke etabliert werden. 2011 wird hierzu eine gemeinsame Aktion von Forstkammer und AG Wald zum Internationalen Jahr der Wälder durchgeführt werden.

AG Wald: Das ökologische Kapital der Wälder wird aufgevespert

In den Wäldern tickt eine Zeitbombe

Im Weißbuch Wald des BUND wurden am Freitag, 28.01.2011, ökologisch erfolgreiche Maßnahmen im Wald gewürdigt. Doch der Schein trügt: "Der ökologische Zustand der Wälder heute spiegelt das ungeheure Engagement vieler Förstergenerationen und Waldbesitzer wider. Mit der aktuellen Personalausstattung ist das zukünftig nicht mehr leistbar", so der Vorsitzende der AG Wald, Dietmar Hellmann.

"Wenn die Landesregierung nicht umgehend weitere geplante Sparrunden im Forstbereich stoppt, dann wird in spätestens 10 Jahren das Weißbuch katastrophale Zustände im Wald aufdecken."

Auf 40% der Landesfläche sind nur noch 1.300 Forstleute im Lande sind tätig und damit 40% weniger Personal als Mitte der 90er Jahre. Bereits jetzt werden wichtige Stellen in der Umsetzung der Klimafolgenforschung, der Naturwaldforschung, im Waldnaturschutz und in der Waldpflege nicht mehr besetzt. Die Forstleute in den Betrieben stehen mit dem Rücken an der Wand. „Wir werden diesen optimalen und ausgeglichen Zustand in unseren Wäldern nicht mehr aufrecht halten können“, sind sich die Experten der AG Wald sicher. Dies werde alle Waldbesitzer betreffen: Den Staat, die Gemeinden und die Privaten – und nicht zuletzt die Bevölkerung.

Die AG Wald befürchtet, dass es bei weiterem Personalabbau unausweichlich nur noch ums reine Holzmachen gehen wird. Naturschutz, Klimaschutz und Erholung im Wald bleiben auf der Strecke. „Wir leben im Moment vom Kapital vergangener Generationen und können künftig nur wenig zurück investieren. Dies ist kurzsichtig und hat nichts mehr mit Nachhaltigkeit zu tun“, so die AG Wald weiter. Problematisch sei, dass die Verschlechterung der Situation im Wald ein schleichender Prozess ist und nicht mit einem lauten Knall beginnt.

Wenn jetzt nicht beim Personal gegengesteuert werde, bezahlten der Wald und Steuerzahler die Zeche! Deshalb fordere die AG Wald einen sofortigen Stopp beim Personallabbau und die Neueinstellung junger Forstleute. In dieser Forderung seien sich Naturschutz- und Waldverbände völlig einig.

AG Wald: Kein weiterer Stellenabbau im Forst

Qualität des baden-württembergischen Waldes in Gefahr

"Die AG Wald Baden-Württemberg sagt zu den von der Landesregierung geplanten Stelleinsparungen bei dem neuen Landesbetrieb Forst Baden-Württemberg (ForstBW) entschieden nein, denn dies bringe die Qualität baden-württembergischen Waldes ernsthaft in Gefahr", so der Vorsitzende Dietmar Hellmann.

Weitere Stellenstreichungen im Forst führten unweigerlich dazu, dass die Rohstoffbasis der Holzindustrie gefährdet sei, täglich zwei Millionen Besucher einen schlecht gepflegten Wald erleben müssten und immer mehr Pflanzen- und Tierarten aussterben. "Diese Kürzungen gehen an die Substanz".

„Baden-württembergischer Wald bietet noch alles an: Umwelt- und Naturschutz, Freizeit und Lebensqualität. Er ist Rohstoffbasis für eine umfangreiche Forst- und Holzwirtschaft mit einem Jahresumsatz von insgesamt 31 Mrd. Euro. Knapp 200.000 Arbeitsplätze hängen am Wald und seinen Rohstoffen. ForstBW muss bei der Bewirtschaftung des Landeswaldes und der Betreuung von Kommunal- und Privatwald unbedingt handlungsfähig bleiben", fordert Hellmann.

Nur wenige Monate sind vergangen, seit die Landesregierung Satzung und Nachhaltigkeitsziele für ForstBW beschlossen hat. Damit wurde der letzte Schritt zur Etablierung der neuen, auf die Zukunft ausgerichteten Forstorganisation im Waldland Baden-Württemberg vollzogen. Zuvor hat die Forstverwaltung auf Landesebene in mehreren Organisationsänderungen seit 1993 40 % Personal abgebaut. Eine bis aufs Gerippe abgemagerte Forstorganisation blieb auf Landesebene übrig, die sich als Landesbetrieb neu formiert hat.

Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit der Konsolidierung des Landeshaushaltes stelle die AG Wald fest, dass der Forst auf allen Verwaltungsebenen bei der Rationalisierung bis ans Äußerste gegangen sei. Dennoch erwirtschafte ForstBW über 20 Mio Euro für den Landeshaushalt. Statt Stellenabbau müssten dringend wieder junge, gut ausgebildete Forstleute eingestellt werden. Dies sei unverzichtbar angesichts eines Durchschnittsalters in der Forstverwaltung von 50 Jahren. "Klimawandel und Stellenabbau passen einfach nicht zusammen. Den Wald für den Klimawandel zu stabilisieren - allein dafür brauchen wir Mann und Maus", fordert die AG Wald.

Weitere Beiträge ...