Zumeldung zur Pressemitteilung des MLR zu den Ergebnissen der Bundeswaldinventur für Baden-Württemberg 177/2014 vom 09.10.2014

Der Wald im Land ist bei den Forstleuten in sehr guten Händen

AG Wald sieht langfristig aber Gefahren für die Nachhaltigkeit

Die Entwicklung des Waldes in Baden-Württemberg folgt dem bundesweiten positiven Trend der Waldentwicklung und steht in einigen Bereichen sogar an der Spitze der Bundesländer. Das geht aus den Ergebnissen der Bundeswaldinventur für Baden-Württemberg hervor. „Dies ist vor allem die Leistung der Forstleute und Waldbesitzer, die durch ihr verantwortungsvolles Handeln zum Aufbau naturnaher Wälder und zu einer dauerhaft nachhaltigen Nutzung beitragen“, so Dietmar Hellmann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Wald (AG Wald).

So liegt beispielsweise die Vorratsentnahme über alle Baumarten in allen Waldeigentumsarten unter dem Zuwachs. Und das trotz gestiegener Holzpreise und einem höheren Anteil von Waldflächen, die aus Naturschutzgründen aus der Nutzung herausgenommen wurden. Dass Naturschutz nicht nur auf ausgewiesenen Gebieten stattfindet, sondern flächendeckend praktiziert wird, zeigen die Zunahme der Baumartenmischung auf allen Flächen, der gestiegene Totholzvorrat sowie die höhere Anzahl der Biotopbäume, die ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten sind. Bundesweit hat Baden-Württemberg sogar die höchsten Anteile an naturnahen Wäldern. Damit ist erneut von externen Wissenschaftlern bewiesen, dass in Baden-Württembergs Wäldern umfassend nachhaltig gewirtschaftet wird und die Nutzung von Holz, die Erholungsmöglichkeit für die Bevölkerung und der Wert der Wälder für den Naturschutz im Einklang erfolgen.

Während naturschutzfachlich die Zunahme der Laubbaumarten zu begrüßen ist, bedeutet der daraus resultierende Rückgang der Nadelbaumarten langfristig aber auch ein Problem. „Wir betrachten den Rückgang der Fichte mit gewisser Sorge, da sie die wirtschaftliche Basis der Forstbetriebe bildet. Dieser zeigt, dass die Anstrengungen zum Klimaschutz verstärkt werden müssen. Der akuten Bedrohung der Fichte durch den Klimawandel muß ein ausgewogenes Konzept zum verstärkten Anbau der Douglasie entgegengesetzt werden, denn die Nadelbäume sind essentiell für die Holzverarbeitung vor allem im Hausbau, wo Laubhölzer oft nicht verwendet werden können“, meint Dietmar Hellmann. Auch die waldbaulichen Möglichkeiten der heimischen Weißtanne seien noch nicht vollständig ausgelotet.

„Um die hohe Qualität und den strukturreichen Aufbau der Wälder auch in Zukunft zu gewährleisten, braucht es gut ausgebildetes Personal in ausreichender Anzahl vor Ort in den Forstämtern und in den für die Kontrolle der Nachhaltigkeit zuständigen Fachbereichen“, betont Hellmann. Um Wälder mit einer hohen Strukturvielfalt aufzubauen und zu bewirtschaften, ist hohes Fachwissen nötig. Die AG Wald kritisiert heftig den seit Jahren andauernden Personalabbau in der Forstverwaltung. Doch der Personalabbau findet gerade in diesen Bereichen massiv statt. „Dies ist im höchsten Maß verantwortungslos und muss sofort gestoppt werden. Der aktuelle Doppelhaushalt bietet Gelegenheit, diesen Trend umzukehren,“ fordert Hellmann weiter. Auch der ansonsten positive Nachhaltigkeitsbericht von ForstBW zeigt durch die Defizite im sozialen Bereich, dass hier akuter Handlungsbedarf besteht. Eine weitere Gefahr droht durch die vom Bundeskartellamt eingeleitete Zerschlagung des aktuellen Verwaltungsaufbaus.“Dass dieser für die Wälder im Land genau der richtige ist, beweist der Spitzenplatz den das Land in vielen Bereichen der Bundeswaldinventur einnimmt“, so die AG Wald.

Die AG Wald fordert die Landesregierung deshalb auf, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um zu retten was zu retten ist und die notwendige Änderung des Bundeswaldgesetzes voran zu treiben.