Waldgipfel 2013

Wir können alles - auch Nachhaltigkeit? 

Was ist aus 300 Jahren Nachhaltigkeit geworden?

200 Waldfachleute kamen am Mittwoch, 10.4.2013 im Rathaus Stuttgart zusammen, um die Nachhaltigkeit auf den Prüfstand zu stellen. Die Forstwirtschaft hielt vor 300 Jahren dieses Prinzip zum ersten Mal schriftlich fest. Zusammen mit Ökonomen und Umweltexperten diskutierten die forstlichen Nachhaltigkeitspraktiker, wie nachhaltig Waldbewirtschaftung heute wirklich ist und wie sich das Prinzip Nachhaltigkeit auf den Alltag entfalten kann.

Alexander Bonde, Minister des Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn wiesen auf die besondere Verantwortung von Politikern, der Wirtschaft und jedes Einzelnen zu nachhaltigem Handeln hin.

„Die Versuchung, aus dem Wald mehr Holz zu holen, als nachwächst, ist heute sehr groß“, so Ulrich Kienzler, Vorsitzender der veranstaltenden AG Wald Baden-Württemberg. „Wir müssen uns täglich neu fragen, ob wir den Wald über Gebühr beanspruchen“. Unsere Rohstoffe sind begrenzt. Das gilt nicht nur im Wald. Deswegen sei das Sinnbild eines ständig sich erneuernden Waldes, der schonend genutzt wird, gut auf das wirtschaftliche Handeln im Allgemeinen übertragbar.

Prof. Schmidt von der Uni Freiburg wies darauf hin, dass nur Ressourcen nachhaltig sind, weil sie sich erneuern können. Rohstoffe dagegen seien endlich und deswegen nur recyclebar.

Prof. Finke, Mitbegründer der Vereinigung für ökologische Ökonomie kritisierte auf dem Waldgipfel die zunehmende Inhaltsleere des Nachhaltigkeitsbegriffes. „Nachhaltiges Wachstum ist ein Widerspruch in sich“. In der Ökonomie müsse deswegen ein Umdenken beginnen.

Prof. Grießhammer, Träger es Deutschen Umweltpreises und leitend beim Ökoinstitut Freiburg tätig, zeigte die unterschiedlichen Dimensionen von Nachhaltigkeit auf. „Wir müssen aufhören, Nachhaltigkeit als Feigenblatt ohne Hintergrund zu verwenden“.

Die Verbände in der AG Wald Baden-Württemberg betonten, dass mit geänderten Ansprüchen an den Wald auch das Prinzip einer umfassenden Nachhaltigkeit ständig neu überprüft und angepasst werden müsse. Soziale, ökonomische und ökologische Ziele müssen ausbalanciert werden. Da sei die baden-württembergische Forstwirtschaft auf einem guten Wege, sie dürfe aber nicht aufhören, den gesellschaftlichen Diskurs darüber zu führen.

Gleichzeitig zeigte sich die AG Wald Baden-Württemberg überzeugt, dass die Gesellschaft und die Nachhaltigkeitsexperten des Waldes intensiver in Kontakt treten müssen: „Wir können viel voneinander lernen!“ Deswegen wird die AG Wald den Dialog fortführen. In mehreren Arbeitsphasen werden die Teilnehmer des Waldgipfels ihre Ideen im Laufe des Jahres konkretisieren und am Ende des Jahres öffentlich präsentieren.

Downloads:

Vortrag: Der Nachhaltigkeit auf der Spur (Prof. Schmidt)

Vortrag: Nachhaltigkeit und Wachstum - Vision und Illusion (Prof. Finke)

Vortrag: Nachhaltigkeit und Greenwashing (Prof. Grieshammer) 


Voller Saal im Rathaus Stuttgart
Minister Alexander Bonde erhält das Faksimile zu 300 Jahren Nachhaltigkeit
Moderatorin Britta Hartard im Gespräch mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn