Land startet "Internationales Jahr der Wälder" offiziell / "Tag des Waldes" am 21. März

Personeller Kahlschlag im "Internationalen Jahr der Wälder" 

NABU und AG Wald kritisieren weiteren Stellenabbau im Forstsektor

Stuttgart - Scharfe Kritik an den Sparplänen der Landesregierung üben der NABU und die AG Wald Baden-Württemberg. "Nachdem das Land seit 1993 bereits 40 Prozent des Forst-Personals weggespart hat, will die Regierung jetzt schon wieder die Axt am Personalstamm ansetzen und weitere Stellen streichen. Das ist Kahlschlag im Internationalen Jahr der Wälder. Die Forstverwaltung blutet aus. Während auf der einen Seite neue Aufgaben hinzukommen und wir in diesem Jahr unseren engen Bezug zum Wald feiern, setzt das Land bei den Menschen, die sie umsetzen sollen, immer wieder die Säge an. Das hat mit Nachhaltigkeit nichts mehr zu tun und verhöhnt das Motto 'Entdecken Sie das Waldkulturerbe'", kritisieren der NABU-Landesgeschäftsführer und gelernte Förster Uwe Prietzel sowie Ulrich Burr von der AG Wald.

"Noch lautet der Slogan des neuen Landesbetriebs ForstBW ‚Wir schaffen Zukunft’. Wenn die Landesregierung weiterhin so wütet, muss er bald in ‚Wir schaffen’s in Zukunft nicht mehr’ geändert werden“ warnen Prietzel und Burr. „Auf 40 Prozent der Landesfläche wächst Wald, den wir bewirtschaften und weiterentwickeln wollen – sei es zur Holzernte, als Erholungsraum für Menschen oder als Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Dass die Regierung gerade im ‚Internationalen Jahr des Waldes’ den Wald weiter schwächen will, ist ein denkbar schlechtes Zeichen. Dabei muss allen klar sein: im Wald passen Klimawandel und Stellenabbau nicht zusammen. Wir brauchen eine Verjüngung des Forstpersonals und keinen weiteren Abbau!“ Durch die wiederholten Umstrukturierungen und Stellenstreichungen im Forstbereich leiden Mensch und Natur: Das noch verbleibende Personal wird immer weiter überlastet und da auslaufende Stellen nicht neu besetzt werden, fehlt der Nachwuchs: Der Personalstamm vergreist, neues Wissen jüngerer Forstleute bleibt außen vor. Zudem können zahlreiche Aufgaben nicht mehr ausreichend wahrgenommen werden können. Auf der Strecke bleiben vielerorts Naturschutz, Naturpädagogik, der Umbau der Wälder zu klimafesten Beständen, die Beratung der Privatwaldbesitzer, die Umsetzung von Natura 2000, die Mitarbeit bei der Erstellung von Regional- und Flächennutzungsplänen und vieles mehr.

Beide Verbände zeigen Verständnis dafür, dass der Haushalt konsolidiert werden muss und Einsparungen nötig sind. So sollen bis 2016 knapp 1.500 Stellen des Landes wegfallen. Wo diese Stellen gestrichen werden, hat der Ministerrat nicht explizit festgelegt, dafür aber klar gesagt, wo nicht: Bildung, Polizei, Justiz und Finanzen bleiben für das Sparpaket tabu. Das Fatale daran: Auf diese Bereiche entfallen rund 90 Prozent der Stellen. Im Klartext: Bei den restlichen 10 Prozent – etwa im Forst – kommt es dafür umso dicker.

Hintergrund und Zahlen

Der Ministerrat hat das Sparpaket der Landesregierung in Höhe von 500 Millionen Euro am 02.02.2011 beschlossen. Danach sind bis 2016 insgesamt 1.480 Stellen einzusparen: Rund 700 bei den Regierungspräsidien, 135 im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum. In beiden Behörden wird die auch Forstverwaltung betroffen sein. Das Durchschnittsalter in der Forstverwaltung beträgt mittlerweile 50 Jahre, Tendenz steigend. Rund 1.300 Forstbeamte im Land, davon rund 480 als Landesbedienstete im gehobenen und höheren Dienst, bewirtschaften den Staatswald. Zudem betreut ForstBW rund 500.000 Hektar Privatwald. Als flächendeckender Dienstleister sorgt ForstBW jährlich für die Bereitstellung von sechs Millionen Festmeter Rundholz für die Rohstoffversorgung. Die Forst- und Holzwirtschaft ist mit einem Jahresumsatz von 31 Milliarden Euro damit ein zentraler Wirtschaftsfaktor im Land. So erwirtschaftet ForstBW über 20 Millionen Euro Gewinn für den Landeshaushalt. 200.000 Arbeitsplätze hängen am Wald und seinen Rohstoffen. Allein 385.000 Hektar Natura-2000-Flächen und 59.300 Hektar Waldbiotope werden von der Forstverwaltung betreut. Mehr als 25 Prozent der Waldfläche wird besonders für die Erholung bereitgehalten.

Die AG Wald ist ein Zusammenschluss aus den vier forstlichen Verbänden Bund Deutscher Forstleute, Baden-Württembergischer Forstverein, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und Verein für Forstliche Standortskunde. Der Dachverband setzt sich dafür ein, den qualitativ hochwertigen Wald in Baden-Württemberg zu erhalten.

Rückfragen an - Uwe Prietzel, NABU-Landesgeschäftsführer, 0711 / 966 72-20oder 0172/ 71 883 96 -

Philipp Riedel, Geschäftsführer der AG Wald, 0761 / 89647-27 oder 0151 / 11 02 11 22