Brief der AG Wald 

Reaktion auf das "Weißbuch Wald" der BUND Baden-Württemberg

Das Weißbuch Wald des BUND Baden-Württemberg hat widersprüchliche Reaktionen in forstlichen Kreisen hervorgerufen. Vor allem, nachdem zwei Jahre vorher das Schwarzbuch Wald erschienen war. Die AG Wald hat sich mit folgendem Brief an den Landesverband gewandt.

Sehr geehrte Frau Dahlbender,

in einem Schreiben an ausgesuchte BUND-Mitglieder haben Sie im November 09 um Unterstützung für das „Weißbuch Wald“ gebeten; es ging damit auch an einige Untere Forstbehörden.

Die AG Wald hält den Aufruf für vorschnell, wenig durchdacht und nicht zielführend. Er schadet dem Wald eher, als dass er ihm nützt.

Hier einige unserer Argumente:

Die polarisierenden Aktionen Schwarzbuch versus Weißbuch teilen Waldbesitzer und Forstleute in „böse“ und „gute“ Akteure; die einen werden abgestraft, die anderen gelobt. Dadurch polarisieren und polemisieren Sie. Mit einem „Schwarz-Weiß“ Bild beschreiben Sie Extreme der Forstwirtschaft und verlieren dabei aus dem Blick, dass die überwiegende forstliche Praxis bunt ist. Erst das hat den Wald zu dem gemacht, was er derzeit ist: vielfältig und multifunktional. Außerdem treiben Sie unnötigerweise einen Keil zwischen die Förster einerseits und vertiefen andererseits wieder mühsam aufgefüllte Gräben zwischen Naturschutz und Forstwirtschaft. Wir befürworten stattdessen Austausch und Gespräch als Mittel der Verständigung.

Uns ist völlig unklar, was der BUND aus den gemeldeten Beispielen macht. Mit dem Weißbuch generieren Sie einen Maßstab für eine Form von Waldbewirtschaftung, die wir in dieser einseitigen Ausrichtung nicht akzeptieren können. Das Buch wäre aus unserer Sicht dann wirklich weiß, wenn Sie es auch mit wirtschaftlichen, umweltrelevanten und sozialen Aspekten füllen. Dann nähern Sie sich allerdings einschlägigen Zertifizierungssystemen an und machen das Buch damit überflüssig. Verantwortungsbewusste und nachhaltige Waldbewirtschaftung definiert sich nicht nur aus den engen naturschutzfachlichen Kriterien, die Sie skizziert haben.

Völlig außer Acht lassen Sie in Ihrem Fragebogen, was die Maßnahmen gekostet haben. Kostenfrei, und seien es Opportunitätskosten, ist keine forstliche Maßnahme. Aber gerade dieser Aspekt wird argumentativ eine entscheidende Rolle spielen.

Aus den genannten Gründen lehnt die AG Wald das Weißbuch Wald des BUND als politisches Instrument ab. Natürlich erkennen wir das Interesse des BUND an einer nachhaltigen und naturnahen Waldbewirtschaftung an, und wir sehen Entwicklungen der vergangenen Jahre im Wald mit ähnlich kritischem Blick. Es muss jedoch ein Anliegen der Waldbesitzer, der Forstbetriebe und aller Forstleute sein, durch eigenes Handeln zu überzeugen. Unterstützt werden kann dies durch eigene Nachhaltigkeitsberichte, durch selbst zusammengestellte positive Beispiele oder durch gemeinsame Gespräche, Besuche sowie Exkursionen mit Vertretern der Naturschutzverbände und/oder des amtlichen Naturschutzes. Jedenfalls sollten wir uns nicht auf eine völlig vereinfachende Schwarz-Weiß Diskussion einlassen.

Die AG Wald wird die in diesem Schreiben vorgebrachten Bedenken der baden-württembergischen Forstverwaltung, dem LNV und der Forstkammer zur Kenntnis geben. Wir sind offen für ein Gespräch mit Ihnen. Wir halten einen kooperativen Weg allemal für besser, als im Alleingang (die Mitglieder des LNV waren nicht informiert) dem Wald und seinen Akteuren eher zu schaden als zu nützen.