Leserbrief zum Spiegel-Artikel 20/2010

Verkauf der Seelenheimat

Die Irrwege des NABU Unter der Rubrik „Wissenschaft“ erschien im Spiegel 20/2010 der Artikel „Verkauf der Seelenheimat“. Die AG Wald reagierte darauf parallel zu vielen anderen mit folgendem Leserbrief. Einer wissenschaftlichen Prüfung hält das, was da als Argumente des NABU für die Privatisierung des Staatswaldes angeführt wird, mit Sicherheit nicht stand. Der Traumwald im Privatwald des Grafen Hatzfeld ist zumindest in Baden-Württemberg mittlerweile gerade auch auf großen Staatswald-Flächen zu finden. Bisher hat ja gerade der NABU den (Groß-)Privatwald eher mit rentablen Nadelholzforsten an den Pranger gestellt.

Wer sich etwas im deutschen Wald auskennt, weiß, dass seit vielen Jahren in allen Waldbesitzarten der Weg zu einem naturnäheren Wald eingeschlagen wurde. Gerade die staatlichen Forstverwaltungen und ihr Personal haben sich teilweise seit mehr als 30 Jahren als Motor zu mehr Naturnähe im Wald verstanden. Staatswald und der Kommunalwald sind bereits per Gesetz Bürgerwald. Neben der Holzproduktion haben insbesondere Staats- und Kommunalwald viel dafür getan, dass Erholung oder Umweltbildung im Wald groß geschrieben wird oder dass schützenswerte Gebiete eingerichtet werden. Schutzgebiete, Waldbiotope, Biosphärengebiete und sonstige hochwertigen Flächen konzentrieren sich auf öffentlichen Wald. Wenn der ehemalige Staatsförster Bode für den NABU fordert, dass der Wald in Aktien unters Volk gebracht werden soll, wird es nur noch ums Geld verdienen gehen; denn Aktionäre erwarten eine dauerhafte Rendite. Dann wird der Wald zum Holzacker und das Volk hat das Nachsehen.

Die Diskussionen bei Waldbesitzerverbänden gehen schon jetzt zentral um die Frage, wie viele zusätzliche nichtmonetäre Leistungen ihnen noch aufgebrummt werden dürfen. Für viele privaten Waldbesitzer ist das Maß dafür voll – und der NABU glaubt ernsthaft, flächendeckend den Wald zu verbessern, wenn der Wald privatisiert wird? Besonders überraschend ist, dass sich die SPD in NRW ohne nähere Prüfung den Vorschlag auf ihre Fahnen schreibt. Der Verkauf des Bürgerwaldes Staatswald an rendite-orientierte Aktionäre ist alles andere als Gemeinwohl-orientiert und höchst unsozial.

Im übrigen: die staatlichen Forstverwaltungen sind längst keine teuren und aufgeblähten Verwaltungen mehr. Viele Reformen sind wie Orkane über sie hereingebrochen.

Aber genau der von Bode und dem NABU geforderte naturnahe Wald braucht gut ausgebildetes Fachpersonal. Wald zu bewirtschaften ist kein Kinderspiel und beileibe kein Hobby. So stellt der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg in seinem neuen Positionspapier Wald fest, dass der Personalabbau in der Forstverwaltung mit einer nachhaltigen, pfleglichen und funktionengerechten Waldwirtschaft nicht vereinbar ist.

Also liebe Bürger – lasst euch nicht von falschen Tatsachen blenden. Der Staatswald muss Bürgerwald bleiben und darf nicht zum Aktionärswald werden. Was sich der NABU dabei gedacht hat, bleibt im Nebel.